JKA-Karate Dojo Calw e.V. -Verein für traditionelles Shotokan Karate-
  Kata-Spezial in Neureut
 



Im Wonnemonat Mai stand wieder einmal ein Karate-Highlight an, das sich das JKA Karate Dojo Calw nicht entgehen ließ – das Kata-Spezial. Bei diesem Lehrgang handelt es sich neben dem Gasshuku um eines der größten Karate-Events. An mehreren Tagen wird je zweimal am Tag das Training von Top-Trainers des DJKB geleitet, wobei sich auch immer ein Trainer aus dem Ausland die Ehre gibt.

Dieses Jahr hatten wir Calwer das Glück, dass der Lehrgang in Karlsruhe ausgerichtet wurde. Während einige von uns also von Donnerstag bis einschließlich Sonntag am Ort des Geschehens verweilten, fuhren andere täglich zum Training.

 

Trainiert wird üblicherweise in den Gruppen 9.-8. Kyu, 7.-6. Kyu, 5.-4. Kyu, 3.-1. Kyu, 1. Dan und ab Nidan. Dadurch erhält man die Gelegenheit, sich mit anderen Karetaka zu vergleichen und gemeinsam zu lernen.

Die Trainer wechseln dabei von Trainingseinheit zu Trainingseinheit, so dass alle Gruppen in den Genuss eines Trainings mit jedem Sensei kommen. Da es nur schwer ist, die Eindrücke aller Trainierenden wiederzugeben, möchte ich mich in diesem Bericht auf die Gruppe 3.-1. Kyu beschränken, in welcher ich selbst trainiert habe.

 

Unser Training begann am Donnerstag, den 13. Mai, mit Toribio Osterkamp, der uns die Katas Bassai-Dai und Wankan üben ließ. Wie immer verlangte Toribio den Lehrgangsteilnehmern physisch und psychisch höchste Konzentration ab. Wie sich schnell herausstellte, legte der Sensei nicht nur großen Wert auf die korrekte Ausführung der Techniken, sondern auch auf deren theoretischen Hintergrund. Immer wieder fragte er nach, wie die Techniken, die gerade ausgeführt wurden, genannt werden und brachte einige von uns damit stark ins Schwitzen.

 

Nachmittags wurde das Training von Jean-Pierre Fischer geleitet. Auf dem Programm standen die Katas Enpi und Bassai-Sho. Neben schweißtreibenden Bunkai-Kombinationen ist mir vor allem noch in Erinnerung, wie fit der Franzose trotz seines Alters noch war. Es zeigte sich eben mal wieder – age is just a number.

Dank unserem alten Bekannten, dem „Übersetzer“, waren wir auch alle in der Lage, genau zu verstehen, was Sensei Fischer von uns verlangte;-)

 

Am Freitag morgen hatten wir die Ehre, bei dem japanischen Gasttrainer Shihan Ogura trainieren zu dürfen. Mit großer Geduld, aber auch einigen verbalen Sticheleien, brachte er uns die Feinheiten der Jion nahe. Dabei zeigte er, dass selbst scheinbar einfache Techniken, die man bereits als Anfänger lernt, noch unglaublich schwierig sein können. Immer wieder ließ er uns z.B. aus Shizen-Tai in Kokutsu-Dachi und wieder zurück gehen. Großen Wert legte er dabei, dass die Füße nicht nur bewegt werden, sondern sich buchstäblich in den Boden graben müssen, damit man einen stabilen Stand hat. 

 

Das Nachmittagstraining wurde von Julian Chees geleitet. Seine Demonstrationen und Erklärungen der Kanku Sho und der Tekki Nidan rangen allen Trainierenden große Sympathien ab.

 

Am dritten Morgen des Kata-Spezial kamen wir in den Genuss eines Trainings bei Shihan Ochi. In knapp einer Stunde bracht er uns die Kata Jitte bei und ließ anschließend noch die Kanku-Dai laufen.

 

Thomas Schulze war unser Trainer am Samstag Nachmittag. Schritt für Schritt baute er die Sochin auf. Sein Schwerpunkt lag dabei auf dem Wechselspiel von harten und weichen Techniken und dem korrekten Ausnutzen der Bauchspannung.

 

Die letzte Trainingseinheit wurde wieder Toribio Osterkamp geleitet. Als er unsere erschreckten Gesichter sah, konnte er nur schwer seine Schadenfreude verbergen. Gleich zu Beginn kündigte er an, dass wir spätestens nach dem Training wach sein würden.

Nicht zu Unrecht hat Sensei Osterkamp den Ruf, ein Schinder zu sein. Denn schon wenige Minuten nach Beginn des Trainings brannten unsere Oberschenkel. Immer wieder ließ Toribio uns einzelne Elemente aus der Hangetsu üben. Obwohl wir am Ende die Kata nicht ein einziges Mal vollständig gelaufen waren, waren wir alle erschöpft, aber froh, es geschafft zu haben.

 

Was hatten nun alle Trainingseinheiten gemeinsam? Was war beim letzten Kata-Spezial anders?

Im Vergleich zum Vorjahr wurden hauptsächlich Sentei-Katas geübt. Beim letzten Mal konnten leider nur Wenige die hohen Katas, die auf dem Programm standen. Offenbar war den Trainern dieses Mal die Qualität wichtiger. Erschreckend war, wie viele Braungurte trotzdem Schwierigkeiten hatten. Wieder einmal zeigten sich die großen Qualitätsunterschiede zwischen den Braungurten, die man fast bei jedem Lehrgang erleben kann.

Wie wichtig es den Trainern war, dass man eine Kata nicht nur vom Ablauf kannte, sondern sich ihrer Besonderheiten bewusst wurde, kann man auch daran erkennen, dass häufig lediglich Ausschnitte aus einer Kata geübt wurden. Mehrmals wurde angesprochen, dass man eine einzelne Technik sehr lange üben muss, bis man sie wirklich beherrscht. Allerdings, das gaben die Trainer auch zu, sei dies zu langweilig, um es auf einem großen Lehrgang zu tun.

Einen Großteil des Trainings bildete das Bunkai. Immer wieder ließen uns die Trainer Teile der Kata mit dem Partner üben und ausprobieren. Spätestens hier wurde wieder deutlich, dass eine Kata immer auch ein Kampf ist.

 

Insgesamt war der Lehrgang sehr gelungen. Obwohl – oder vielleicht gerade weil? – uns der Wettergott nicht allzu gut gesonnen schien, konnten wir das Training genießen und uns voll auf das Karate konzentrieren. Ein jeder Teilnehmer hatte seinen Liebling unter den Trainern und die Meinungen über das Training selbst gehen teilweise weit auseinander. Trotzdem denke ich, dass wir alle wieder viel mitgenommen haben, das wir im Training zuhause wieder umsetzen und vertiefen können.

 

Ich hoffe, dass nächstes Jahr wieder so viele Calwer den Weg zum Kata-Spezial finden werden, denn das Training ist es definitiv wert!

 

 

Oss

Eugen