JKA-Karate Dojo Calw e.V. -Verein für traditionelles Shotokan Karate-
  Gasshuku Herford 2011
 
Bericht Gasshuku Herford 2011 (von Cigdem und Gerald, unseren Freunden aus der Schweiz)

Anmerkung: Aus formalen Gründen weise ich darauf hin, dass aus Gründen der besseren
Lesbarkeit die männliche Form verwendet wird. Selbstverständlich schliesst das in der Regel
die weibliche Form, sofern nicht anders erwähnt, mit ein. Bei Verwendung der weiblichen
Form ist diese jedoch auch so gemeint. Ich bitte die Leser und Leserinnen dafür um
Verständnis.
Die Erleuchtung
Die Ankunft und die ersten Begegnungen
Sonntagabend, am 31. Juli 2011 zog es bereits viele Gasshuku-Teilnehmer und Senseis zu
den Festzelten. Sehen und gesehen werden. Auch Sensei Ochi begrüsste in Begleitung seiner
Frau die Ankommenden. Er war auch dieses Jahr ganz der „Alte“.
Zwischen Anmeldung und ersten Begegnungen versuchte man sich einen Überblick über die
Veranstaltungsgegebenheiten zu verschaffen. Welche Halle erwartet die ersten Karatekas am
nächsten Morgen, am Montag um 7:00 Uhr in (Worten: Sieben Uhr!) zum gemeinsamen
Training? Erste Neuigkeiten wurden ausgetauscht, Bekannte begrüsst und das Herforder Bier
getestet. Dabei wurden die Vorbereitungen der Veranstalter kritisch unter die Lupe
genommen, ohne dass jedoch gravierende organisatorische Mängel offenbar wurden. Das
kulinarische Angebot an Speisen und Getränken erfüllte weitgehend auch kritischere
Erwartungen, und so gestaltete sich die Ankunft der Teilnehmer ziemlich entspannt. Zu lange
durfte es auch nicht in die erste Nacht hineingehen, da diese ja doch am nächsten Morgen
recht früh wieder durch den zum ersten Training rufenden Wecker beendet werden wollte.
Die Danträger wurden am Montag frühmorgens von Sensei Toribio Osterkamp mit Gojushi
ho dai begrüsst. Anschliessend waren alle wach. Es war wohl das einhellige Gefühl, dass das
Gasshuku 2011 nun begonnen hatte. Auch den anderen Teilnehmern in den anderen Gruppen
schien es ähnlich ergangen zu sein, wie den Frühstücksgesprächen und Berichten zwischen
den Trainingseinheiten entnommen werden konnte. Die einzelnen Senseis wurden durch die
„Brille“ der einzelnen Teilnehmer mit ihren speziellen Fähigkeiten und Eigenheiten
gewürdigt, und jeder freute sich, wenn „sein Favorite“ die Trainingseinheiten zur vollen
Zufriedenheit gestaltete.
Sensei Toribio Osterkamp holte wieder alles aus uns heraus, und brachte uns zu persönlichen
Höchstleistungen. Sensei Julian Chees begeisterte durch seine brillante Art, die Kata in uns
zum Leben zu bringen und zeigt in diesem Jahr zudem noch eine erstaunliche Struktur und
Perfektion in der Gestaltung der einzelnen Trainingseinheiten. An Sensei Kiskilää schieden
sich wie immer die Geister. Es bestand jedoch kein Zweifel, dass das, was er vermittelte
durch jahrelange Erfahrung und Auseinandersetzung fundiertes und praktisch anwendbares
Karatewissen transportierte. Sensei Hideo Ochi war, wie immer in der gesamten Halle
präsent, egal wo er sich gerade physisch aufhielt, registrierte er mit einem unnachahmlichen
„Ochi- Lachen“ beinahe jeden Fehltritt und Fehler. Konzentriert arbeitete jeder Karateka in
der Halle unter seiner Anleitung an den vorgegebenen Techniken und Kata-Abläufen,
bemerkte seine Lücken und fasste neue Vorsätze. Sensei Shinji Akita entfachte wieder das
Feuer in den Oberschenkeln und diese erinnerten uns noch einige Zeit danach an seine
hilfreichen „Inputs“. Sensei Thomas Schulze, der uns mit seiner klaren Art die Sochin näher
brachte, vermittelte einprägsam, wie man intensiver in das Erleben und Verständnis der Kata
eindringen kann um dann weiter daran zu üben und zu arbeiten.

Etwas ruhiger gestaltete sich das Lernen der Grundlagen des Karate bei Sensei Koichi
Sugimura. Mit seiner Gestaltung der Trainingseinheiten konnte er nicht alle Teilnehmer in
gleicher Weise erreichen, trotzdem er mit brillanten und sauberen Techniken, einer
imponierenden Körperhaltung und jahrzehntelanger Erfahrung alle Karatekas an seinem
Schätzen teilhaben lassen wollte.
Sensei Hideo Yamamoto brachte mit unbeweglicher Miene ein Maximum an Bewegung in
die Halle. Durch sein Training wehte der Erfolg der japanischen Auswahl im
Ländervergleichskampf. Körperhaltung, Hüftbewegung, Schnelligkeit und Kraft, das
Überwinden grosser Distanzen beim Angriff und der Wille nicht nur zu kämpfen, sondern
auch siegen zu wollen waren in der Halle erlebbar verbunden mit der Aufforderung, an den
erlebten Defiziten intensiv zu arbeiten.
Die Arbeit an den Überwinden grösserer Entfernungen beim Angriff, die Entscheidung zum
Angriff, der richtige und effektive Hüft- und Körpereinsatz waren seine überzeugenden
Themen, die zugleich weitere Ziele für die Zukunft darstellen. Selbst mit seinen japanischen
Jungs war er im Training nicht zufrieden. Sie sollten zeigen was er meinte. Wir waren
beeindruckt, was sie konnten. So konnte erlernt werden, dass man, egal wo man im Karate
steht, jeder zugleich Anfänger ist.
Nach diesem Training bei Sensei Hideo Yamamoto war zum Glück an diesem Tag Schluss
mit Training …
Sensei Hanskarl Rotzinger überzeugte nicht alle Teilnehmer mit der Betonung der Atmung
und der über den Körper verteilten Druckpunkte, hat aber in dieser Hinsicht auch eine stabile
Fangemeinde. Das „Urgestein“ des deutschen Karate gab jedem, der ihm zuhören wollte, die
Möglichkeit, an seinen reichhaltigen Erfahrungen teilzuhaben.
Sensei Katsunori Tsuyama liess fast ohne Worte mit einigen englischen oder japanischen
Kommandos die Welt der klassischen japanischen Grundschule in der Halle erstehen.
Scheinbar mit geschlossenen Augen, aber sichtlich hellwach, lief er in der Halle umher und
erweckte mit seinen knappen Kommandos eine Atmosphäre des konzentrierten und intensiven
Erübens der richtigen Ausführung der Grundschultechniken. Dieses sehr japanisch anmutende
Training der Grundschule, zwang uns dazu, auf die richtige Ausführung der Bewegung zu
achten, unsere Haltung und unseren Stand zu kontrollieren und an unserer Schnelligkeit zu
arbeiten. Abschliessend wurden wir durch die Arbeit an seiner „Minikata“, einer Abwandlung
der Heian Shodan seitengleich und spiegelverkehrt ausgeführt, gezwungen, aus gewohnten
Abläufen auszubrechen und uns zu konzentrieren. Sein Auftreten, die Kommunikation fast
ohne Worte, die strukturierte und disziplinierte Arbeitsatmosphäre liess erahnen, wie viel
Erfahrung dem Handeln von Sensei Katsunori Tsuyama zu Grunde liegt.
Mittwochabend, nachdem der freie Nachmittag ein bisschen Erholung mit Schlafen und
Entspannen ohne Training zuliess hatten wir die Gelegenheit bei einem köstlichen
Nudelgericht, überwiegend zubereitet von Teilnehmerinnen, wieder zu Kräften zu kommen.
Der Ausklang des Abends mit „schwätzen“ und Gesprächen wird uns noch lange in
angenehmer Erinnerung bleiben. Ariane und Sabine sei hierfür besonderer Dank zu teil.
Das obligatorische Gruppenfoto versuchte die Licht- und Schattenverhältnisse optimal zu
berücksichtigen. Inwieweit das gelungen ist, kann ja jeder selbst überprüfen. Zu dem Foto
fanden wir uns alle auf der Wiese ein, wo wir erschöpft zwischen den einzelnen
Trainingseinheiten ausruhen konnten. Das Wetter spielte für das Training im Verlauf der
Woche gut mit. Einzelne Regenschauer brachten die angenehme erwünschte Abkühlung und
verhinderten trotzdem so gut wie nie, dass man auch unter freien Himmel den kulinarischen
Angeboten sich zuwenden konnte. Wer auch immer für das Wetter dieses Jahr zuständig war,
er (oder sie :- )) hat es optimal eingerichtet. Dies dürfte auf dem Foto, auch in den zufriedenen
Gesichtern gut zum Ausdruck kommen.

Der Vergleichskampf zwischen Japan, Frankreich und Deutschland bildete neben den
Trainigseinheiten bei so vielen „hochkarätigen“ Senseis einen weiteren Höhepunkt der
Woche. Die Tribüne der alten Sporthalle war bis auf den letzten Platz belegt als die
Japanischen Kämpfer nahtlos und quasi ohne Vorwarnung wie selbstverständlich das Tempo
vorgaben und mit ihrem selbstbewussten, siegessicheren und gleichzeitig zurückhaltenden
und bescheidenen Auftreten die Zuschauer in atemloses Erstaunen versetzten. Die Kunst des
Karate, die Kunst des Kämpfens und die Kunst des Siegens wurde mit einer
Selbstverständlichkeit vorgeführt, die nur noch Bewunderung und Respekt verdient. Nein, es
war bestimmt nicht nur das sicherlich harte, regelmässige und vermutlich täglich mehrere
Stunden dauernde Training bei einem hervorragenden Lehrer. Jeder in der Halle erhielt auch
noch eine andere Botschaft durch den Auftritt der japanischen Kämpfer. Sie siegten, weil sie
siegen wollten. Sie gingen auf die Kampfläche und wussten, dass sie gewinnen würden. Und
sie gewannen. Klar, kompromisslos und ohne den geringsten Zweifel trieben sie die deutsche
und die französische Auswahl durch die Halle. Von ihnen ging die Botschaft aus, dass sie sich
vorgenommen hatten zu siegen. Und sie setzten ihr Vorhaben um. Yamamoto blickt
ungerührt, stolz und siegessicher. Er schien seinen Jungs zu vertrauen. Zu Recht wie sich
schnell zeigte. Sein Training fiel auf fruchtbaren Boden. Die Sieger kamen schnell und
selbstbewusst auf die Kampfläche, kehrten genauso schnell und selbstbewusst wieder aus
dem Kampffeld zurück und grüssten respektvoll ihren Sensei und Trainer. Alles konnten seine
Jungs nicht falsch gemacht haben, wie uns Sensei Hideo Yamamoto im Training noch
glauben machen wollte. Und bei den Katavorführungen konnte man die berühmte Stecknadel
in der Halle fallen hören. Atemlos folgte man den Vorführungen, manchmal mit dem Gefühl,
dass für diese Karatekas die Schwerkraft ausser Kraft gesetzt wurde. Ich empfand es als eine
ungeheure und anregende Bereicherung, diese Katavorführungen erlebt zu haben.
Der Freitagabend: Viele Leute und nette Begegnungen mit etwas Bier.
Der gelungene Ausklang Freitagabend mit vielen Begegnungen und Gesprächen rundet das
Bild dieser insgesamt gelungenen Gasshuku ab. Wieder einmal hatte man das angenehme
Gefühl, dass sich der Aufwand mehr als gelohnt hat.
Jeder Teilnehmer des diesjährigen Gasshuku dürfte wohl wieder mit dem Gedanken in „seine
Welt“ zurückkehren, dass er von den vielfältigen Anregungen, den unterschiedlichen Stilen
und Schwerpunkten der Senseis, und dem gemeinsamen Training mit hunderten von
Karatekas noch lange profitieren und zehren kann.
Nachtrag
Am Rande des diesjährigen Gasshuku berichteten Teilnehmer auch vereinzelt über
„Eingebungen“ und „Erscheinungen“, die man gerade bei diesen Personen am wenigsten
erwartet hätte. Traten doch neben den besonderen Karatefähigkeiten und – kentnissen auch
ganz andere Fähigkeiten und Verbindungen quasi zur geistigen Welt zu Tage. So berichteten
vereinzelte Teilnehmer von inspirierenden konspirativen abendlichen Zusammenkünften mit
plötzlichen Eingebungen, die in dieser Form bei so rationalen Karatekas nicht zu vermuten
gewesen wären. Von einer derartigen „Eingebungssession“ möchte ich exemplarisch noch
kurz berichten. In einer Sitzung erschienen den Teilnehmenden unter Leitung von Sensei
Hans Kaun die (nicht anwesenden!) Autoren dieses Berichtes und wurde in Abwesenheit für
würdig befunden, für die Kaunsche Homepage diesen Artikel zu erstellen. Diese Eingebung
war nach Angaben einer Teilnehmerin der Sitzung, die uns namentlich bekannt ist „plötzlich
im Raum anwesend“ gewesen. Die Eingebung sei „so klar und deutlich“ gewesen, dass die
betroffenen zukünftigen Autoren am kommenden Tag bei nächster Gelegenheit umgehend

über diese Sitzung und die Vorkommnisse auf im Rahmen dieser Sitzung in Kenntnis gesetzt
wurden. Wer will schon den Entscheidungen geistiger Welten zu wider handeln? Dieser
Eingebung jedenfalls ist der Bericht über die das Gasshuku 2011 verdankt, erstmals erstellt
aus aussereuropäischer, schweizerischer Sicht auf das Gasshuku-Geschehen.
(Mit grosser Spannung werden wir weitere Eingebungen und Visionen erwarten.)
Zürich, den 6.August 2011
Cigdem und Gerald