JKA-Karate Dojo Calw e.V. -Verein für traditionelles Shotokan Karate-
  Dan-Prüfung von Eugen
 

Once you´ve got black you´ll never go back – Frei übersetzt: Dunkler wird´s nimmer!

Da sitzen wir nun. Es ist Freitagabend und die Teilnehmer des JKA Calw am Gasshuku sitzen vor dem Festzelt im Freien. Das Bier, das ein jeder vor sich hat, rinnt die Kehlen hinunter und die Gespräche, Witze und Blödeleien nehmen kein Ende. Angeregt unterhalten wir uns über die zurückliegenden Tage.

Wenn für kurze Momente die Konversationen doch mal eine Unterbrechung erfahren, lasse ich meinen Blick durch die Runde gleiten. Ein wenig sehen wir alle müde aus, aber eine schwer zu beschreibende Zufriedenheit liegt auf den Gesichtern. Schließlich haben wir auch alle einen Grund zufrieden zu sein – vor wenigen Stunden haben alle fünf Dan-Prüflinge ihre Dan-Prüfung bei Shihan Ochi erfolgreich abgelegt. Mit Ariane, Robin und mir gibt es nun drei neue Schwarzgurte in unserem Verein. Bine und Hans haben ihren dritten und fünften Dan bestanden.

Schwarzgurt! Endlich! Es fällt mir nur schwer, zu beschreiben, wie ich mich in diesem Moment fühle. Jahrelang hat man – mal mehr, mal weniger – auf dieses Ziel hingearbeitet und nun ist es soweit. Während ich noch darüber nachsinne, wie man dieses Gefühl wohl am Besten beschreiben könnte, und in Arianes Gesicht einen ähnlichen Ausdruck zu erkennen glaube, reißt mich plötzlich Robin aus meinen Gedanken. Das Kadermitglied hat die Woche mit dem Rest des Kaders übernachtet und trainiert, kommt nun leicht besäuseltJ zu uns an den Tisch und versucht uns etwas mitzuteilen. Was, das habe ich leider nicht ganz verstanden…

Doch lasst mich an dieser Stelle die Szene verlassen und an den Anfang kommen. Dass wir beim Gasshuku 2010 unseren Dan machen würden, entschied Hans in eigenmächtiger Manier viele Monate zuvor. Das Training war ab diesem Zeitpunkt ganz auf dieses Ereignis ausgerichtet.

In den Trainingseinheiten mussten die Dan-Anwärter und Bine stets in der ersten Reihe stehen, damit ihre Fehler ja nicht Hans´ kritischem Adlerblick entgehen konnten. Das wiederholte Laufen der Prüfungskata gehörte genau so dazu, wie theoretische Fragen, die Übernahme kurzer Trainingsphasen und das allseits beliebte Joggen am Sonntag(!)morgen.

In der ersten Augustwoche war es schließlich soweit. Neben den bereits genannten Dan-Prüflingen gaben sich auch Katharina, Heiko, David, Andi, Fabi und Steven die Ehre. Ein Musikerheim stellte für die kommende Woche unsere Unterkunft dar, in welchem wir gesellige und lustige Abende bei Wein (Bier), Weib und Gesang verbringen sollten.

Im Folgenden möchte ich darauf verzichten, jede einzelne Trainingseinheit zu beschreiben, um den Rahmen nicht zu sprengen und euch mit meinen lyrischen Ergüssen nicht zu langweilen. Stattdessen sollt ihr Teil an meinen bleibenden Eindrücken haben.

Die morgendliche Kata-Einheiten war ideal, um Körper und Geist zu wecken und auf das kommende Training einzustimmen. Wie schon so oft, gelang es den geladenen Trainern, scheinbar einfache Techniken und Kombinationen in ihrer Komplexität und Tiefe aufzuzeigen. Sensei Akita ließ in der letzten Einheit am Freitag z.B. lediglich die Technik Oi-Zuki laufen. Immer und immer wieder. Anschließend wurde diese beim Gohon-Kumite mit dem Partner geübt. Dabei legte er großen Wert auf die Worte, die uns Shihan Mori einige Tage zuvor mitgegeben hatte – Im Training geht es darum, sich selbst beständig einer kritischen Prüfung zu unterziehen und genau darauf zu achten, ob man sich verbessert, oder dieses zumindest versucht, anstatt die Technik zwar schnell und stark, aber achtlos auszuführen.

Dieselbe Botschaft gab uns auch Sensei Taniyama mit: „Ihr müsst in jedem Training versuchen, besser zu werden.“

In der Tat – wie oft führt man im Training Techniken aus, ohne darauf zu achten, ob diese nun tatsächlich besser war, als die vorhergehende. Diese Worte sind mir bis heute in Erinnerung geblieben.

Faszinierend war ein Training bei Sensei Osterkamp, bei dem Mawashi-Geris geübt wurden. Leider war das Training für den 3. und 2. Kyu, sonst hätte ich alle umgehauenJ

Am Mittwochmorgen betrat Shihan Ochi die Halle. Ohne uns vorher aufzuwärmen, ließ er uns das Kihon und die Prüfungskata für den 1. Dan laufen. Da wir kurz zuvor erfahren hatten, dass die Prüfung zum 1. Dan bereits am Donnerstag stattfinden sollte, ahnten wir, dass das gerade die Generalprobe gewesen war.

Den Abend verbrachten wir dann in angespannter Vorfreude auf das Kommende. Schließlich war der Tag der Wahrheit gekommen. Wir gingen noch zum ersten Training, um so richtig warm zu werden.

Vor der Prüfung wollte Ariane noch ihren Gi von der Wäscherei abholen. Doch diese hatte es versäumt, den Gi bis dahin zu reinigen. So lieh ich ihr meinen Kime-Gi, der ihr in der Prüfung wertvolle Dienste leisten sollte…

Wie ich schon geahnt hatte, war ich vor der Prüfung voller Adrenalin. So ging die Begutachtung durch Shihan Ochi unglaublich schnell vorbei. Ich erinnere mich nicht, außer Atem gewesen zu sein, auch wenn es bestimmt anstrengend gewesen war.

Die Prüflinge wurden, beginnend mit den Jüngsten und sich zu den Älteren vorarbeitend, in 4-Gruppen abgehalten. Robin machte den Anfang und lief eine hervorragende Prüfung, deren Besichtigung mir eine Ehre war. Im Anschluss daran durfte ich mein Können demonstrieren. Nach der Prüfung wurden wir entlassen. Bei Arianes Prüfung konnte ich somit nicht zugegen sein. Wie mir aber aus zuverlässigen Quellen berichtet wurde, legte sie, dank guter Vorbereitung und meines Kime-Gi, eine gelungene Leistung an den Tag.

Obwohl wir drei Prüflinge allesamt mit einem guten Gefühl aus der Prüfung gingen, mussten wir uns mit dem Feiern noch ein wenig gedulden. Denn zum einen wurden die Ergebnisse erst am Freitag bekannt gegeben. Und zum anderen mussten sich noch Bine und Hans am darauf folgenden Tag ihrer Prüfung unterziehen.

Diesen Tag verbrachten wir dann größtenteils mit Warten, denn die Prüfungen für die höheren Dan-Grade zogen sich in die Länge. Als Hans schließlich am späten Nachmittag aus der Halle kam, war die Freude allerseits groß und wir konnten zum gemütlichen Teil des Abends übergehen.

Die Übergabe der Prüfungsurkunden wurde lautstark bejubelt und anschließend begossen, womit wir wieder am Anfang dieses Berichtes angelangt wären. Die aufgelockerte Atmosphäre brachte uns dann auch zu Weißheiten, die in die Annalen der Karategeschichte eingehen werden: „Dunkler wird´s nimmer.“, „Der Gürtel hält nur den Anzug zusammen.“ und „Trainieren musst du mit dem, oder dem Gürtel.“ Und kaum waren Ariane, Robin und ich in die elitären Reihen der Schwarzgurte aufgestiegen, ließen sich unsere lang gedienten Dan-Träger eine Abstufung einfallen. So wurden wir kurzerhand zu Danlingen degradiertJ

Den Abend ließen wir Kyu-Grade, Danlinge und Dan-Träger dann mit viel Bier auf der Tanzfläche ausklingen. Und so konnte meine Sumo-Karriere beginnenJ

Damit bin ich auch schon am Ende meines Berichtes angelangt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich allen Karateka zu bedanken, die mich auf meinem jahrelangen Weg bis zum Dan begleitet haben:

Bei den Farbgurte, deren Begeisterung und Trainingseifer als Vorbild dienen. Macht weiter so, denn es zahlt sich definitiv aus!

Bei unserem Wettkampf-Team, deren Können einfach unbeschreibbar ist. Jungs, es ist mir eine Ehre mit euch trainieren zu dürfen.

Bei allen Schwarzgurten, die mich stets gefordert und angespornt haben. Danke.

Last, but not least, gilt mein Dank Sensei Hans Kaun. Während all der Jahre hast du nie die Geduld mit mir verloren, auch wenn mein Fleiß nicht immer vorbildlich war. Aufgrund meines Berufes weiß ich, wie viel Frustrationstoleranz man als Trainer haben muss. Ich danke dir, dass du mich stets gefordert hast und mich an (und über) meine Grenzen kommen lässt. Oss!

Ich freue mich auf die kommenden Jahre als Danling. Und irgendwann, in vielen, vielen Jahren, wenn mein Sensei mich für würdig hält, werde ich mit großer Freude die Vorbereitung für die nächste Stufe beginnen, um dann Dan-Träger zu werdenJ Hoffentlich sind dann wieder ein paar von euch dabei!

Oss!

Eugen


Ariana und Eugen bei der Anprobe....;-)))